Nur ein kleiner Spaziergang...

  • RACCOON CITY 21. September 1998 - 17.30 Uhr Ortszeit Die Schatten wurden länger... der Tag neigte sich dem Ende zu. Karl Johnson stand, wie so oft in den letzten Tagen, am Fenster seines Appartments und blickte schweigend in die leere Straßenschlucht der Oak-Street. Abgestandene Luft füllte den abgedunkelten Raum. Ein gemisch aus Zigarettenrauch und abgestandenem Bier vermengte sich mit dem Gerucht von Schweiß seiner Haut. Wie gerne wäre er unbeschwert zu seinen allabendlichen Spaziergängen aufgebrochen... eine Runde um den Block des Zentrums der kleinen Bergstadt Raccoon City. Entspannt am Polizeipräsidium vorbei, um es sich dann für ein Bier mit seinen Kumpeln Stan und Martin bei Mona's gemütlich zu machen. Und die Arbeit am nächsten Tag... er lachte glucksend. Seine Arbeit fehlte ihm wirklich nicht. Die Schinderei an der Tankstelle war etwas, auf dass er nur zu gerne verzichtete. Immerhin konnte ihn sein Chef eh nicht leiden. Ständig unbezahlte Überstunden, ein mieserabler Lohn und ständig das genörgel vom Boss. Er schüttelte lächelnd den Kopf. "Eigentlich gut so" sagte er sich leise. Seufzend wandte er sich vom Fenster seiner Zwei-Zimmerwohnung ab und ging in aller seelenruhe zu seinem Sofa und lies sich träge fallen. Mit einem kurzen Tastendruck auf der TV-Fernbedienung schaltete er seinen Fernseher ein. Müde betrachtete er das Testbild, dass ihn schon seit Beginn der ganzen "Sache" immer wieder zum einschlafen brachte. Nach einigen Augeblicken wanderte sein Blick zu dem Foto auf dem Regal neben dem Fernsehgerät. Was würde Marie jetzt wohl sagen? Diese gedanken hatten ihn seit einigen Tagen immer wieder eingeholt. Seine große Schwester Marie war ein regelrechtes Musterbeispiel für eine gutbürgerliche Spießerin. "Was würdest du wohl sagen, wenn du mich hier so sehen könntest?" fragte er sich. Es war wohl wahr, er war mal wieder angetrunken, hatte sich seit 3 Tagen nicht gewaschen und sich von Hundefutter ernährt. Aber wer würde es ihm verübeln? Als vor drei Tagen die Wasserversorgung zu seiner Wohnung versiegte die er lange ob der Situatuion nicht mehr verlassen hatte und ihm das Essen zu neige ging dachte er noch das in einigen Stunden alles vorbei sein würde... dass irgendwer kommen würde um "das ganze" zu richten.... aber es war niemand gekommen... und Marie würde es ihm sicher verübeln. All dies ging ihm durch den Sinn als sich die erbarmende Hand des Schlafes über ihm ausbreitete. RACCOON CITY 21. September 1998 - 21.49 Uhr Ortszeit Der Schrei der die Stille zerriss lies ihn aus seinem Schlaf hochschrecken. Intuitiv griff er nach der Remington neben seiner Couch. Seine geröteten Augen suchten hastig nach möglichen Eindringlinge... aber fanden nichts. Er raffte sich nach einigen Herzschlägen auf und griff im Aufstehen zu seiner letzten Flasche Bier von der er schon seit gestern zehrte. Schlurfend ging er zum Fenster und konnte im fahlen Licht der Straßenbeleuchtung einige schwankende Schemen sehen die sich gerade über die Überreste einer jungen Frau beugten. "Armes Ding" dachte er sich... "und wieder eine weniger". Emotionslos betrachtete er das grausige Mahl unten auf der Straße. Als er diese Ereignisse das erstmal leibhaftig mit ansah, musste er sich übergeben... auch das zweite, dritte und vierte mal... aber irgendwann hatte er sich daran gewöhnt... und mittlerweile war es ihm egal. "Ich trink auf dich, Süße" murmelte er zynisch und leerte mit einem Zug die letzten Tropfen des Biers. Er schaute sich das morbide Schauspiel einige Momente mit an, bis er durch ein tiefes Knurren wieder in die Realität zurück gerissen wurde. "Tja, nun ist es also soweit" stellte er resignierend fest. Er hatte die letzte Dose Hundefutter vor zwei Tagen geleert und er wusste, dass wenn er nicht bald etwas zu essen findet, er nicht mehr lang durchhalten würde. Das Knurren seines Magens war also das Zeichen zum Aufbruch. Er hatte sich diesen Moment immer wieder in Gedanken ausgemalt, doch nun wo es soweit war, kam er sich vor als müsste er sich jeden Moment in die Hosen machen. "Reis dich zusammen verdammt. Du weist was du tun musst" redete er sich ein. "Es ist wie die Spaziergänge, nur ein wenig aufregender". RACCOON CITY 21. September 1998 - 21.58 Uhr Ortszeit Als er vorsichtig die Tür zum Hinterhof öffnete, drang das erste mal seit langer Zeit, so kam es ihm vor, endlich wieder frische Luft in seine Lungen. Er hatte sich seinen Overall von der Tankstelle angezogen, seinen Rucksack angelegt und seine Remington fest in der Hand. "Was haben wir aus den Filmen gelernt? Immer auf den Kopf zielen und möglichst versuchen auszuweichen". Seine Kenntnisse über sinnfreie Zombiefilme waren beispielhaft, soviel Stand fest. Bis zu Mona's Diner war es nur zwei Blocks weit, und er kannte den Weg wie seine Westentasche, immerhin war er sogar im Vollrausch immer heile hin und zurück gekommen. Schritt für Schritt tastete er sich vorran. Die ersten Meter waren leicht, doch je weiter er sich von seiner "Basis", wie er seine Wohnung mittlerweile nannte, entfernte, desto nervöser wurde er. "Ruhig Dicker" sagte er sich. Und es war nichteinmal gelogen, war er doch mit seinen 135 Kilogramm auf 1,75 Meter Körpergröße ein stattliches Kaliber. Doch all die Versuche sich zu beruhigen schlugen fehl. Statt dessen wurde er nur noch nervöser. Immer wieder kamen ihm Bilder von den Opfern dieser Kannibalen in den Sinn die bei lebendigem Leibe verspeist wurden. Alles war ruhig in der Gasse vor ihm. "Immer ruhig weiter". Das Gewehr fest umgriffen setzte er seinen Weg fort. RACCOON CITY 21. September 1998 - 22.12 Uhr Ortszeit Nur noch ein Hinterhof trennten ihn von seinem Ziel. Er war geschickt einer Gruppe Zombies ausgewichen die sich gerade an einem gestürzten Kameraden gütlich taten, welcher die Bisse seiner Peiniger mit einem dumpfen Heulen quitierte. "Hehe, dumme Zombies, ihr seit sogar zu doof eine leckere Mahlzeit zu fangen wenn sie euch direkt vor der Nase herum..." Karl verstummte aprupt als er vor sich schlurfende Schritte hörte. Schemenhaft sah er die Schatten von drei Gestallten hinter einem Bretterzaun herwanken. Die Gruppe musste jeden Moment in Sichtweite kommen. Er wischte sich den Angstschweis aus dem Gesicht und lud seine Pumpgun durch. In just diesem Moment kam die erste der Gestalten hinter dem Ende des mannshohen Holzzaunes hervor. Es muss sich einst um einen Krankenpfleger gehandelt haben, was der blutbesudelte Kittel verreit. Das Gesicht des Zombies war zur hälfte zerfetzt und rohes, verfaulendes Fleisch hin in sehnigen Streifen von seinem Schädel herab. Jetzt konnte Karl auch das Knacken von Knochen hören, denn der Fuß von 'Krankenpfleger' war offensichtlich gebrochen. Ihm folgten eine 'Polizistin' und ein 'Schnösel' 'Krankenpflegers' Freunde waren allem Anschein nach noch "frisch", denn die Verletzungen hielten sich bis auf einige Bisswunden in Grenzen. Karl schwenkte die Waffe hin und her, und versuchte nicht hysterisch um sich zu schießen. "14 Schuss, vergiss das nicht! 7 Jetzt und 7 im Rucksack!" Er atmete tief durch und zielte dann sorgfälltig auf den Kopf von 'Krankenpfleger'. Ein lauter Knall heulte durch den Hinterhof. Der Kopf des Zombies platzte wie eine überreife Wassermelone und besudelte seine Gefolgsleute mit grauen Stücken geborstener Knochen. Er ging noch einige Schritt und fiel dann in sich zusammen. "JEAH, wie schmeckt dir das du FREAK?" Ein weiterer Schuss donnerte aus seiner Waffe,... und noch einer... Dann war es Still. Mit Adrenalin vollgepumpt wandte sich Karl den Überresten der Zombies zu. Der eine war kopflos und die anderen beiden hatten je einen sauberen Schuss ins Gesicht bekommen. "Karl 3, Zombies null" stellte er selbst zufrieden fest. "Das ist ja ein KinderspAAARGH" Ein reissender Schmerz durchzog seine Wade. Während er sich voll und ganz auf die Dreiergruppe konzentriert hatte, war es ihm völlig entgangen wie sich einer der Zombie aus dem letzten Hinterhof an ihn herangepirscht hatte. Karl blickte erschocken an sich herab und sah, wie sich der 'Tourist' in seinem Bein verbiss. Ein Schwall warmen Blutes ergoss sich über das Gesicht des Angreifers. "NEIN!" schrie Karl auf und feuerte Schuss um Schuss auf den Körper des Zombies ab. Nach dem er 4 mal geschossen hatte um sicher zu gehen, dass der Zombie nicht nocheinmal zubeissen würde, humpelte er zum Holzzaun herüber. "Verdammt.... verdammt ... verdammt..." Panik machte sich in ihm breit. Er lies hektisch seine Blicke wandern als er auf der anderen Straßenseite das Ziel seines Unternehmens ausmachte. Seufzend rang er sich ein Lächeln ab. "Pah... den Kratzer werde ich überleben, vorallem mit vollem Magen". Er lugte links und rechts in die Straße um sicher zu gehen dass keine weiteren Zombie herum schlichen. Und in der Tat, die Straße war bis auf die Leichen am Holzzaun völlig leer. Nur noch 15 Meter trennten ihn von seinem Ziel. Mona's Diner war absolut dunkel und kein Licht erhellte das innere. Er lief, oder humpelte eher, so schnell ihn seine Beine trugen, zum Eingang und lugte ins innere. Er konnte die Tische und die Tresen erkennen, ... und keine weiteren Zombies. "Jackpot" gluckste er. Er öffnete die Tür, sie war nicht verschlossen, und schleppte sich den Tresen entlang in Richtung der Küche. Die Bisswunde an seinem Bein schmerzte höllisch. Er beschloss sie zu verbinden sobal er wieder zu Hause war. Einen Erste Hilfe Koffer hatte er ja, also kein Grund zur Sorge. Aus dem Filmen wusste er, dass man nur zu einem Zombie würde, wenn man nach einem Biss stirbt, und diese Wunde würde ihn nicht umbringen. Scherben von zerbrochenem Geschirr knackte unter seinen Schuhen als er sich in Richtung Küche bewegte. Vorsichtig schob er die Schwenktür mit dem Lauf seiner Waffe auf und ging hastig hindurch. Ein süßlich verfaulter Gestank drang ihm in die Nase. Er tastet nach dem Lichtschalter und erhellte den Raum. Als sein Gehin verabreitete, was seine Augen sahen, reagierte zuerst seine Blase, und dann er. In dem Raum befanden sich um die 15 dieser Kreaturen die sich an einigen undefinierbaren roten Klumpen labten. Als er das Licht einschaltete, wandten sich die Zombies ihm zu und 15 milchig-weiße Augenpaare fixierten ihn mit unersättlicher Gier. Er riss instiktiv das Geweht hoch und drückte ab... *KLICK* "NACHLADEN,... ich habe vergessen NACHZULADEN!!!" scholt er sich selbst. Der Schreck traf ihn so hart wie ein Schlag in die Magengegend. Er taumelte rückwärts gegen die Tür... und gegen einen am Boden liegenden Barhocker den er beim hineinkommen intutiv überstiegen hatte. Er schlug stumpt zu Boden und Schmerzen breiteten sich in seinem Nacken aus, als einige Scherben sich in seine Kopfhaut bohrten. Hektisch und voller Panik versuchte er aufzustehen, doch er war einfach zu unkoordiniert in seinen Bewegungen. Hinzu kam dass sein Rucksack seine Bewegsfreiheit noch mehr einschränkte. Karl versuchte sich hasitg von der zusätzlichen Last zu befreien, doch anstatt der Ranzen abzulegen, verfing dieser sich mit dem Hocker und riss ein Loch hinein. Die Zombies waren inzwischen fast bei ihm und er erkannte, dass es diesmal kein entkommen gab. Hysterisch um sich schlagend, griff seine Hand eine der Schrotpatronen die aus seinem Rucksack gefallen war. Schlagartig wurde ihm klar, das es nur eine Möglichkeit gab einem qualvollen Tod zu entrinnen. Er lud eilig die Patrone in seine Remington. "Nur ein kleiner Spaziergang" flüsterte er mit Tränen in den Augen. Er krümte ab, während er sich das Gewehr an den Kopf hielt und war sich sicher... dies war das letzte Mahl in Mona's Diner! ENDE Anmerkung: Dies ist meine erste selbst verfasste Geschichte über RE. Ich hoffe dass sie euch ein wenig unterhalten hat. :) Wenn ihr Kritik oder Anregungen habt, nur her damit :chill1:

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    "The ultimate Bio-Weapon..." A. Wesker

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