RESIDENT EVIL 4 als Amateur-Roman

  • so ja also hab mich mal an resi 4 schriftstellerisch dran gegebn ... ich poste hier mal ein paar stellen aus dem werk ... über kritik und kommentare würd ich mich freun :D (ausschnitt aus der anfangsszene im dorf) Leon hetzte mit dem geladenen Gewehr wieder die Treppe herunter, machte sich bereit, seine Besucher angemessen zu empfangen. Unten angekommen sah er, wie die Dörfler über die zertrümmerten Reste der Tür und der Kommode ins Haus stiegen. Auch die Bretter und den Schrank vorm Fenster hatten sie inzwischen beseitigt und drangen nun durch das entstandene Loch. Leon stand am unteren Treppenende und wich mit dem Schrotgewehr im Anschlag wieder langsam nach oben, ließ sie kommen, wartete, bis er genug von ihnen vor sich hatte, um ihnen eine Ladung Schrot zu verpassen. Die wilde Meute stürmte auf Leon zu, der mittlerweile wieder bis auf die Mitte der kleinen Treppe zurückgewichen war. Mistgabeln, Beile, Messer und Sensen schwangen durch die Luft. Schließlich befanden sich vier von ihnen am unteren Treppenende, bereit, Leon zu zerfleischen ... Bamm!!! Der gewaltige Schuss aus dem Gewehr zerfetzte den Haufen. Blut und Fleischstücke spritzten umher und sprenkelten die Wand und den Boden. Die Körper flogen nach hinten und landeten auf dem Holzboden. Doch die nächste Welle rückte bereits unbeirrt heran, schien von der Szene soeben überhaupt nicht beeindruckt. Sie stiegen über die leblosen Körper ihrer Dorfgenossen hinweg und liefen auf Leon zu. Der nächste Schuss krachte in eine neue Wand aus Körpern, die die Durchschlagskraft der Waffe blutig zu Boden schleuderte. Klirrr! Leon blickte schnell nach rechts und konnte schon von dort aus wo er stand sehen, dass sie nun auch das zweite Fenster oben zerstört hatten. Ein Mann und eine Frau standen am Rahmen des Fensters, das dort auf ein Flachdach führte, auf das sie geklettert sein mussten, sahen ihn aus hasserfüllten Augen an. Beinahe so, als wären sie besessen von irgendetwas ... Uhh ... Ahh ... Ehh ... Leon sah wieder vor sich ... Was?! Auf dem Boden unten vor der Treppe erhoben sich drei oder vier der nieder gestreckten Körper wieder langsam, griffen bereits schon wieder nach ihren Werkzeugen ... So etwas überlebt kein Mensch! Nicht aus so einer Waffe! Und nicht aus so einer geringen Entfernung! Jedenfalls ist keiner danach noch in der Lage, jemanden anzugreifen ... Leon setzte, noch immer überrascht, das Gewehr auf die sich ächzend und stöhnend langsam wieder erhebenden, blutigen Körper an. Bamm!!! Bamm!!! Gleich zwei Schüsse hintereinander versetzte er ihnen. Erneut spritzten Blut und Fleischbrocken. Dann erschlafften die blutbesudelten Körper mit einem – hoffentlich – letzten Aufstöhnen. Doch tot oder nicht, die nächsten Angreifer näherten sich bereits schon, kamen durch den Hauseingang und durch das offene Fenster. Leon drehte sich um, sah, wie der Mann und die Frau am Fenster bereits dabei waren, über den Fensterrahmen ins Haus zu steigen. Die wollen mich hier in die Enge treiben ... Leon lief zum Fenster und schoss den beiden eine Portion Schrot entgegen. Der Mann und die Frau flogen daraufhin nach hinten. Leon drehte sich um und musste sehen, wie bereits die nächsten Dörfler die Treppe hinaufgestürmt kamen. Sein Blick fiel nach links. Auch die Leiter am Fenster hatten sie wieder aufgestellt. Leon sah sogar bereits den Kopf eines sie hochkletternden Dorfbewohners. Leon hüpfte aus dem Fenster vor ihm, hinaus auf das Flachdach. Vor sich sah er eine ans Dach angelehnte Leiter ... und zwei Männer, die sie gerade erklommen. Er lief auf die Leiter zu und stieß sie mittels eines kräftigen Tritts um. Ahhh ... Die Männer auf der Leiter landeten unsanft auf dem Erdboden. Hinter ihm wurden die Rufe immer lauter. Als er sich umdrehte sah er durch das Fenster, dass das Stockwerk in dem er sich noch soeben befunden hatte, nunmehr mit unzähligen mordlüsternden Dorfbewohnern gefüllt war. Er lief auf die rechte Seite des Daches, die Seite, auf der der Wald lag, wollte hinunter springen ... ... und stoppte sein Vorhaben noch rechtzeitig, als er an der Kante das Daches angelangte und auf acht oder neun Männer heruntersah, die ihm, als sie ihn erblickten, ihre Werkzeuge entgegen warfen. Sensen und Beile flogen ihm entgegen. Leon wich ihnen nur knapp aus, stürmte nun auf die andere Seite des Daches, blickte hinunter ... ... und sah unten niemanden stehen. Mit einem Satz sprang er herunter. Sogleich kamen jedoch wieder aus scheinbar allen Richtungen wutentbrannte, Mistgabeln, Beile und Sensen schwingende Dorfbewohner ... ... und aus einem Schatten links von ihm, dröhnte eine Kettensäge auf, begleitet von einem wahnsinnigen Schrei. Scheiße! Der Mann trat aus den Schatten heraus, sah ihn durch die Löcher in dem Sack, den er auf dem Kopf trug, aus zwei aufgerissenen, wahnsinnigen Augen an, die nur Leon fixiert hatten. Unaufhaltsam stapfte er mit der lauten Kettensäge auf ihn zu, wollte nicht mehr, als sie ihm in sein Fleisch rammen. Arhhhhhh!!! Noch einmal ließ der Mann einen verrückten, nach Blut dürstenden Schrei von sich, während er sich Leon weiter näherte. Leon richtete das Gewehr auf seinen Kopf. Seine Hände waren schweißnass. Doch er zielte genau. Er wusste, dies war sein letzter Schuss, denn das Gewehr fasste nur sechs Patronen. Nachladen würde ihn zu viel Zeit kosten. Bis dahin würde er schon etliche Messer und Beile in seinem Körper stecken haben – und eine Kettensäge. Bamm!!! Der nur aus geringer Distanz abgefeuerte Schuss zerfetzte den Kopf des Kettensägen-Mannes in einer Explosion aus Blut, Gehirnstücken, Schädelsplittern und Sackfetzen. Die röhrende Kettensäge immer noch in seinen verkrampften Händen haltend, fiel er vorn über ... und auf die Säge, die sich nun reißend in sein eigenes Fleisch bohrte. Eine grausame Szene ... Leon hing sich das Gewehr um, nahm sich seine Pistole wieder in die Hände, die er vorhin in seinen Holster gesteckt hatte, und drehte sich in alle Richtungen, suchte nach einer freien Stelle in der ihn umgebenden Wand aus Gegnern, durch die er flüchten konnte. Doch sie drangen aus allen Richtungen auf ihn zu, hatten ihn quasi umstellt. Er entdeckte schließlich eine Stelle, wo nur zwei der Dorfbewohner, zwei mit Beilen ausgerüstete Männer, standen. Er hatte nur diese Chance. Dies war die einzige Stelle, die nur zwei von ihnen blockierten. An allen anderen Stellen waren es mindestens vier oder fünf von ihnen. Würde er hier stehen bleiben, würden sie binnen kürzester Zeit Hackfleisch aus ihm gemacht haben. Alles oder Nichts! Leon rannte auf die beiden zu, feuerte währenddessen eine Kugel nach der anderen durch den Lauf seiner Waffe. Die beiden Männer vor ihm sackten von Kugeln durchsiebt bereits zusammen, bevor Leon die Stelle überhaupt erreicht hatte, wo sie standen.
  • so hab hier mal den anfang gepostet. muss fairerweise bemerken dass ich den teil bis dahin wo sich leon im stahlkomplex befindet von jemandem übernsommen habe -jedoch auch noch leicht abgeändert - alles was danach kommt ist jedoch von kompeltt von mir selber ... hab halt selber ne vorstory gemacht ... das ende von umbrella hab ich im prolog erwähnt was man ja kennt ... naja viel spaß beim lesen würde mich über kommentare sehr freuen ... Kapitel 1 Die Arme des Mannes waren nach vorne gerichtet. Seine Hände führten schwache Greifbewegungen aus. Mit einem geistlosen, tiefen Stöhnen wankte er immer weiter vorwärts. Sein Gesicht war bleich und um seinen Mund klebte Blut. Seine Augen waren völlig verdreht und zeigten ein blindes und seelenloses, schleimiges Weiß. Leon hob die Waffe und schoss. Einmal, zweimal hieben Kugeln in den Bauch des Mannes. Doch er fiel nicht, wankte einfach weiter, das Gesicht unverwandt auf ihn gerichtet. Leon wirbelte herum. Er musste weg, er hatte nicht mehr viel Munition. Er musste irgendwohin wo es sicher war. Unzählige dunkle Gassen führten zu der schwach beleuchteten Hauptstraße auf der er sich befand. Schatten wankten aus dem Dunkel auf ihn zu. Er rannte weg von ihnen. Schweißperlen rannen seine Stirn hinunter und ... abrupt stoppte er. Er musste nicht mehr weiter laufen. Er war jetzt nicht mehr in Gefahr. Er befand sich nun an einem anderen Ort. Auf einem Metallsteg in einem riesigen Komplex. Er war umringt von gewaltigen Stahlwänden die sich in die Höhe und Tiefe gleichermaßen erstreckten. Ein gewaltiger Schacht. Unter dem Steg war ein gähnender Abgrund. Er sah plötzlich eine Frau vor sich. Es war Ada ... und sie richtete eine Pistole auf ihn ... ... dann plötzlich befand er sich wieder in einer neuen Situation. Er befand sich immer noch auf dem Metallsteg des Riesen-Komplexes, doch er hing nun über dem Geländer des Stegs, hielt seinen Arm in die Tiefe gestreckt ... und hielt Adas Handgelenk fest umklammert, die über der gähnenden Schwärze baumelte und sich selber noch mit der anderen Hand am Geländer festhielt. Ihre trüben Augen sahen ihn müde an. Plötzlich ertönte ein infernalischer Schrei, voller Wut und Aggressivität, und er stammte eindeutig nicht von einem Menschen ... und auf einmal blickte er, vollkommen übergangslos, in ein riesiges pulsierendes Auge. Doch in dem Auge spiegelte sie sich ... spiegelte sich Ada. Dann wurde sie immer kleiner, fiel in unendliches Dunkel. „Adaaaa!“ Leon schrie ihren Namen, schrie ihn aus Leibeskräften und ... mit einem kurzen Zusammenzucken wachte Leon schließlich auf. Orientierungslos sah er sich in seinem Schlafzimmer um. Es war alles nur ein Traum gewesen. Wieder einmal. Ein Traum, der ihn nun schon seit Jahren verfolgte. Seit der Sache damals in Raccoon. Und ganz verarbeitet hatte er noch immer nicht alles, was damals geschehen war. Er setzte sich in seinem Bett auf und atmete einmal tief ein und aus. Dann sah er auf die Digitaluhr, die auf seinem kleinen Nachttisch stand. Es war 3:46 Uhr am Morgen. Jetzt merkte er erst, wie schweißgebadet er eigentlich war. Selbst sein Betttuch war vollkommen durchnässt. Aber das war eine mittlerweile vollkommen normale Begleiterscheinung jenes immer wiederkehrenden Traumes. Es gab jedoch Zeiten, da war dieser Traum wie ausgelöscht und er konnte dutzende von Nächten ohne ihn verbringen. Doch er war bisher letztendlich immer wieder gekehrt, schien ihn einfach nicht mehr los lassen zu wollen ... Leon seufzte. Er verließ sein Bett und ging in das kleine an das Schlafzimmer angrenzende Badezimmer seines Appartements. Er knipste das Licht an und betrachtete sich im Spiegel. Ein unrasiertes Gesicht, zerzauste Haare ... Schön scheiße siehst du aus, Mr. Kennedy ... eher wie ein Penner als ein Agent der US-Regierung ... Er drehte den Wasserhahn auf und wusch sich mit beiden Händen gründlich das Gesicht mit kaltem Wasser. Dann nahm er ein Handtuch und trocknete sein Gesicht flüchtig damit ab. In rund drei Stunden würde er im Hauptquartier sein müssen, um sich wegen der aktuellen Lage im Fall Graham zu informieren. Er hoffte inständig, dass es seit gestern etwas Neues gab. Irgendetwas ... Vor drei Tagen wurde die Tochter des aktuellen US-Präsidenten, Ashley Graham, auf der Heimreise von ihrem College in Massachusetts von Unbekannten entführt. Der Weltöffentlichkeit wurde ihre Entführung bisher verschwiegen und nur eine sehr geringe Anzahl von Menschen, auch innerhalb der Regierung, wusste davon. Der Hauptgrund dafür war die erschütternde Tatsache, dass, wie bereits schnell ermittelt werden konnte, der Hauptentführer ein Mitarbeiter des Präsidenten war. Wer der Verräter jedoch war, war bisher noch genauso unklar wie die Frage nach ihrem Aufenthaltsort und dem Drahtzieher hinter dem Komplott. Auch hatten sich die Entführer bisher noch nicht gemeldet und eine Lösegeldsumme oder ähnliches für ihre Freilassung gefordert. Er, Leon, wurde sofort als einer der ersten über die Entführung informiert, was an seiner Position als angehender Agent einer geheimen US-Organisation zum Schutze des Präsidenten und seiner Familie lag, die ihm, dem US-Präsidenten, außerdem direkt unterstand. Leon wurde von der Organisation vor zweieinhalb Jahren übernommen und würde seine Ausbildung voraussichtlich erst in ein paar Monaten abschließen. Doch jetzt war dieser hoch brisante Fall dazwischen gekommen, in den auch er trotz seiner noch nicht völlig abgeschlossenen Ausbildung einbezogen wurde. Er und seine Kollegen arbeiteten an dem Fall quasi rund um die Uhr. Alle Agenten der Organisation waren im Einsatz. Leon war zur Zeit der einzige Agent der Organisation, der sich noch in der Ausbildung befand und der sich deshalb nicht im Agenten-Einsatz befand, sondern vom Hauptquartier aus mitarbeitete – was meistens Schreibarbeit und Telefonate bedeutete. Seit der Entführung hatte er auch nicht wirklich viel schlafen können. Neun oder zehn Stunden, mehr Schlaf hatte er in den vergangenen drei Tagen nicht gehabt. Dazu kam noch, dass nach einer wieder mal längeren Pause, sein mehr oder weniger immer gleicher Alptraum vor ein paar Tagen wiedergekehrt war und sein sowieso nur geringes Schlafpensum nicht gerade begünstigte. Leon seufzte, dann beschloss er, dass es sich nicht mehr lohnen würde sich noch für zwei Stündchen aufs Ohr zu hauen – vorausgesetzt, er würde überhaupt schlafen können. Stattdessen hatte er vor, eine schöne kalte Dusche zu nehmen, sich zu rasieren und sich danach noch einen heißen Kaffee zu gönnen. Er war gerade dabei, sich seine Klamotten für die Arbeit herauszulegen, da ging sein Telefon. Doch es war nicht sein offizieller Festnetzanschluss oder sein Handy, sondern sein „heißer Draht“, ein Extra-Telefon, das ihn direkt mit dem Hauptquartier der Organisation verband. Er besaß diesen Anschluss seit dem er Mitglied der Organisation war. Leon eilte zum Telefon, das sich auf seinem Nachttisch befand, dabei stolperte er fast über eine auf dem Boden liegende leere Wasserflasche. Eilig nahm er den Hörer ab. „Kennedy“, meldete er sich und war sich nur allzu sicher, dass der Anruf etwas mit dem Graham-Fall zu tun hatte. „Mr. Kennedy“, erklang eine dunkle Männerstimme am anderen Ende der Leitung, „es gibt wichtige Neuigkeiten im Fall ‚Blaue Rose‘. Kommen Sie bitte so schnell wie möglich ins Haus.“ „Verstanden. Alles Klar. Ich werde mich gleich auf den Weg machen“ „In Ordnung. Ich gebe es weiter.“ Dann legte der Mann am anderen Ende den Hörer auf. Nur in wichtigen Fällen wurde er über diesen Anschluss angerufen oder durfte selber über ihn anrufen. Außerdem war die Kürze dieser Hauptquartier-Gespräche eine bewusste zusätzliche Sicherheitsmaßnahme ... ... genau wie die Codenamen ... ‚Blaue Rose‘ ... das war der Codename für den Entführungsfall von Ashley Graham ... einem hübschen, blonden jungen Mädchen. Gerade mal zwanzig Jahre alt, bestimmt nur kurz vor ihrem College-Abschluss ... Wir werden dich finden, Ashley ... Leon sprang schließlich unter die Dusche. Danach würde er sich noch schnell rasieren. Den Kaffee jedoch, würde er ausfallen lassen ... Das Besprechungszimmer war von einer Reihe Deckenlampen beleuchtet. Draußen war es noch immer dunkel. Auf einer kleinen Ledercouch saß ein Mann im schwarzen Anzug. Er hielt einen halb vollen Becher Kaffee in seiner Hand. Auf dem niedrigen Tisch vor ihm standen fünf weitere dieser Becher ... alle leer. In der Mitte des Raumes stand ein großer Tisch auf dem eine Weltkarte, eine Europakarte und eine Karte der USA ausgebreitet waren. Über dem großen Tisch beugte ein hoch gewachsener Mann mit einer Brille, ebenfalls im schwarzen Anzug, und hielt sich gedankenverloren die Hand vor den Mund, während er auf die USA-Karte starrte. Alle drei Karten waren an verschiedenen Stellen mit bunten Pfeilen markiert. Am Fenster des Raumes stand ein dritter Anzugträger und schaute in die morgendliche Dunkelheit. Der Mann am Fenster unterbrach schließlich die Stille. „Ist die Quelle wirklich so zuverlässig wie angenommen?“, fragte er während er weiterhin aus dem Fenster blickte. Der Mann auf der Couch antwortete ihm. „Ja, absolut. Unsere Jungs vom Geheimdienst arbeiten und ermitteln da vollkommen gründlich. Wenn die sagen die Quelle ist sicher, dann ist sie es auch. Und dann sollten wir diese Spur für so ernst und wichtig wie möglich nehmen und ihr schnellstmöglich nachgehen. Natürlich können selbst die sich irren, aber ich denke es ist besser, einen Irrtum in Kauf zu nehmen, als eine tote Präsidententochter ...“ Der Mann am Kartentisch richtete sich auf. Dann verschränkte er seine Arme und seufzte, den Blick weiterhin auf die Karten vor ihm gerichtet. „Jedenfalls überrascht mich die Lage ihres vermeintlichen Aufenthaltsortes. Ich hätte, was das Ausland angeht, doch eher den nahen Osten erwartet ... aber Südeuropa?“ Der Mann am Fenster drehte sich um. „Tja, spricht nicht gerade für die Authentizität der Angaben, nicht wahr? Ohne natürlich an den Fähigkeiten und der Zuverlässigkeit der Geheimdienstleute zu zweifeln“, sagte er mit ironischem Unterton und blickte in Richtung des Mannes auf der Couch. Dieser seufzte betont und nahm einen Schluck seines inzwischen fast kalten Kaffees. Der Mann am Fenster redete unbeirrt weiter. „Und noch immer ist die Frage offen, wer der Verräter ist und zu welchen Zwecken er sie entführt hat. Mal ganz abgesehen von der Frage nach der Identität seiner Mittäter. Ich denke, dass wir uns sehr gut überlegen sollten, wo wir suchen und uns nicht auf jede vermeintliche Spur stürzen. Wo bleibt eigentlich Kennedy?“ „Ist bereits auf dem Weg“, sagte der Mann am Kartentisch, während er weiterhin über den Karten grübelte und angestrengt versuchte, Zusammenhänge in diesem mysteriösen Fall zu erkennen. Der Berufsverkehr auf den Straßen Washingtons hatte die Fahrt hierher nicht gerade beschleunigt. Dazu schien es ihm, als hätte sich jede gottverdammte Ampel in der Stadt an diesem Morgen extra für ihn auf rot geschaltet. Obwohl die Entfernung seines Appartements zum Hauptquartier, das in einem Gebäude unweit des Weißen Hauses untergebracht war, nur etwa einen Kilometer betrug, war ihm die Länge der Fahrt an diesem Morgen vorgekommen wie eine kleine Weltreise. Leon hatte seinen Wagen geparkt, alle Sicherheitsbereiche und Securitys an denen er vorbei musste passiert und war nun auf dem Weg in das Besprechungszimmer. Er joggte den Korridor entlang, während er auf seine Armbanduhr schaute: Kurz vor Sechs Uhr am Morgen. Doch gemessen an der scheinbaren Dringlichkeit des Anrufes von vorhin, bereits sehr spät ... zu spät ... ... Scheiße! Hoffe nur es gibt keinen Aufstand deswegen ... Er erreichte schließlich die Tür des Besprechungszimmers und blieb davor kurz stehen, atmete einmal tief ein und aus. Dann klopfte er an und trat ein. „Ah, Mr. Kennedy“, begrüßte ihn John Greenfield, ein etwas überheblicher, kleinerer Mann Mitte vierzig. Der Mann stand am Fenster und lächelte ihn an. Ein falsches Lächeln. „Sie sind ein klein wenig spät“, fügte er noch hinzu. Die Ironie in seiner Stimme war unüberhörbar. Ja, du mich auch, John ... Greenfield war ein Kontaktmann für die Agenten der Organisation die sich im Ausland befanden und stand rangmäßig über Leon. Greenfield mochte ihn nicht und er ihn genauso wenig. Leon vermutete, dass Greenfield ihm seinen raschen Aufstieg vom einfachen Polizeibeamten zum Agent dieser Organisation an neidete. Ein wirkliches Geheimnis war ihre gegenseitige Abneigung im Team der Organisation jedoch nicht. Leon schloss die Tür hinter sich. „Ja, entschuldigen sie. Der Berufsverkehr hielt mich ein wenig auf.“ Leon bemühte sich um Wahrung von Höflichkeit und riss sich zusammen. Am liebsten hätte er Greenfield irgendein bissiges Kommentar entgegen gefeuert. Aber es gab momentan weit aus wichtigeres, als diesen Penner und den Mist den er von sich ließ. Leon beachtete Greenfield nicht weiter, sondern sah stattdessen zu William Jefferson, der an einem Kartentisch in der Mitte des großen Raumes stand. „Ich hörte, es gebe Neuigkeiten bezüglich ‚Blaue Rose?“, fragte Leon. „Ja, das ist korrekt. Sehr wichtige und dringende Neuigkeiten sogar. Aber setzen Sie sich doch erst einmal, Mr. Kennedy“, entgegnete ihm Jefferson, ein älterer Mann Anfang sechzig. Jefferson war der oberste Leiter und das Dienst älteste Mitglied der Organisation, hatte davor Jahre lang für den CIA und einige Jahre auch beim FBI gearbeitet. Ein Mann mit einem gewaltigen Schatz an Erfahrung und, wie Leon bereits schnell gemerkt hatte, ein sehr kluger und fähiger Mann, abwägend und geduldig. Er ließ sich scheinbar oftmals mehr von seinem Instinkt und seiner Intuition leiten als von nüchternen Fakten. Und genau das imponierte Leon. Er schätzte Jefferson sehr, doch auch Jefferson hielt scheinbar viel auf Leon und mochte ihn offensichtlich. Er war für Leon fast so etwas wie eine Vaterfigur geworden. Leon wandte sich zu der kleinen Couch auf der linken Seite des Raumes. Tim Brooker, der für die Organisation der Agenteneinsätze im In- und Ausland zuständig war, saß dort bereits und nickte Leon kurz zu. Leon erwiderte das Nicken und setzte sich schließlich neben ihn. Brooker war ein ehemaliger Personenschützer des Präsidenten und hatte davor auch einige Jahre beim FBI gearbeitet.. Er war Afroamerikaner und von großer Statur. Leon und er schätzten sich gegenseitig sehr und trafen sich auch hin und wieder privat für ein Bier oder eine Partie Bowling. Jefferson, Greenfield und Brooker waren die drei führenden Köpfe der Organisation. Jefferson trat vor den Kartentisch und lehnte sich mit verschränkten Armen an die Tischkante an. „Wir erfuhren vor ein paar Stunden durch eine Meldung vom Geheimdienst, von einer angeblichen Sichtung der Präsidententochter in Südwesteuropa. Genauer gesagt – “, Jefferson wandte den Blick seitlich auf die auf dem Tisch ausgebreitete Europakarte, „ – in Spanien.“ „Spanien?“, fragte Leon erstaunt. „Wissen wir genaueres über die oder den Augenzeugen? Waren es Agenten von uns? Oder das FBI?“ Jefferson seufzte und wandte sich wieder den drei Männern im Raum zu. „Nein. Es handelt sich bei den Augenzeugen um ein Touristen-Ehepaar aus Frankreich, die sich auf einem mehrwöchigen Urlaubstrip quer durch Spanien befanden. Sie verfuhren sich vorgestern Abend angeblich mit ihrem Jeep in einem der großen und abgelegenen Waldstücke in der Nähe der nordwestlichen Atlantikküste des Landes und konnten dabei irgendwann zufällig aus sicherer Entfernung beobachten, wie sich eine kleine Gruppe Männer, ihrem beschriebenen Aussehen nach zufolge höchstwahrscheinlich Einheimische, in Begleitung einer jungen, blonden Frau Mitte Zwanzig befanden. Die Gruppe schien die Frau zu eskortieren, wie die beiden äußerten, und sie empfanden die ganze Szene, wie sie sagten, als sehr verdächtig. Das Ehepaar wurde seinen eigenen Angaben zufolge nicht von der Gruppe bemerkt, und nachdem sie wieder auf eine der ihnen bekannten Straßen zurückgefunden hatten, meldeten sie die Beobachtung sofort der nächsten örtlichen Polizeistation. Das Ehepaar ist natürlich wie der Rest der Weltöffentlichkeit nicht über ihr Verschwinden informiert. Aber der Vorfall, den sie beobachten konnten, erschien ihnen scheinbar verdächtig genug, um ihn der spanischen Polizei zu melden. Dadurch kam der Stein ins Rollen. Der spanische Geheimdienst, der ja bereits über den Vermisstenfall informiert war, erfuhr von dem Vorfall und verständigte daraufhin unseren Geheimdienst.“ Im Raum herrschte Schweigen. Jefferson griff hinter sich und nahm ein Blatt Papier in die Hand. Er schob seine Brille ein wenig höher und sprach weiter. „Die Beschreibung der gesichteten jungen Frau stimmt von ihrer geschätzten Körpergröße, ihrer Haarfarbe sowie ihrem geschätzten Alter, völlig mit Ashley Graham überein. Doch da dies natürlich alles nur grobe Angaben sind, wurde der spanische Geheimdienst – der von Ashley Grahams Aussehen am Tage ihres Verschwindens informiert worden war – erst durch die ihnen beschriebene Kleidung des Mädchens veranlasst, unserem Geheimdienst davon zu berichten. Die Beschreibung stimmt exakt mit der Kleidung überein, die Ashley Graham am Tag ihrer Entführung trug. Der Ort der Sichtung wundert mich zwar, wie ich zugeben muss, doch ich halte diesen Vorfall für eine absolut ernst zu nehmende Spur.“ Jefferson wandte sich vom Tisch ab, ging ziellos durch das Zimmer, während er weiterhin auf das Blatt sah und seine Ausführungen fortführte. „Wir konnten bereits in Erfahrung bringen, dass sich der Ort der Sichtung unmittelbar in der nähe eines kleinen Dorfes namens Pueblo befindet, deren Einwohner seit vielen Jahren mehr oder weniger völlig abgeschnitten von der Außenwelt leben. Viel ist über diese Menschen also nicht bekannt. Und ob sie überhaupt etwas mit der Beobachtung dieses Paares zu tun haben ist auch fraglich. Auf jeden Fall sollten wir dem so schnell wie möglich nachgehen und Nachforschungen anstellen.“ Jefferson blieb stehen und sah zu Leon herüber. „Kennedy, was meinen Sie dazu?“ „Nun, zunächst bin ich auch vom Ort der Sichtung überrascht ... Aber ich denke, dass wir so schnell wie möglich einen von uns über den großen Teich schicken sollten, um der Sache nachzugehen ...“ „... ich halte diese Beobachtung immer noch für ziemlich fragwürdig und es nicht für nötig, dort einen unserer Agenten hinzuschicken“, fiel ihm Greenfield ins Wort. „Wir sollten unsere Nachforschungen lieber weiter auf den Bereich des nahen Osten konzentrieren, als auf irgendwelche kleinen und abgelegenen Dörfer im Süden Europas.“ Leon seufzte und sah ihn stirnrunzelnd an. „Dann tun sie das doch. Aber ich halte es für wichtiger einer echten heißen Spur nachzugehen, als sie zu ignorieren und damit das Leben eines jungen Mädchens aufs Spiel zu setzten.“ Im Raum herrschte kurz Stille, dann sprach Jefferson wieder, sah zu Greenfield. „Natürlich werden wir auch in dieser Region weiterhin Nachforschungen anstellen und dortigen Spuren nachgehen –“, er wandte sich zu Leon, „ – aber wir sollten auch diese Spur absolut ernst nehmen und ihr so schnell wie möglich nachgehen.“ .“
  • Also ich find's gut :thumb3: Gefällt mir! Und das, obwohl ich die Story des Spiels eigentlich nicht sooo super fand, da das ganze im Spiel ziemlich karg ausfällt. Deshalb fand ich grade dieses erste Kapitel sehr schön, weil Du viel von dem Drumherum erzählst, das mir im eigentlichen Spiel gefehlt hat. Der Ausschnitt, den Du zuerst gepostet hattest, hatte mich zwar nicht so sehr überzeugt, weil es mehr oder weniger das wahr, was man ich eben erwartet hatte ?!, aber das erste Kapitel war wirklich gut! Nicht schlecht Herr Specht. Weiter so! :thumbs5:
  • hab endlich nach 10 monatiger arbeit mein buch zu resident evil 4 vollendet war ne mordsmordsarbeit ... aber jetzt steht das werk von 395 seiten ... es schließt eigentlich natlos an die storyline von perry bzw. den japanern an die es bereits in der zur zeit noch 9 bände umfasseneden buchreihe schon gibt ... poste hier mal das komplette kapitel 2 ..viel spaß beim lesen über commis und kritik würd ich mich natürlich freuen ... Kapitel 2 Der alte Pkw holperte über die unebene, kleine Landstraße. Vielmehr war es ein schlichter, unbefestigter Feldweg, der wie ein Pfad in eine längst vergangene Zeit wirkte. Eine Zeit, lange vor Tiefkühlpizza und Internet. Die Szenerie wirkte wie der Hintergrund für einen im Mittelalter spielenden Abenteuerfilm. Hierhin schienen sich nicht gerade oft Leute von außerhalb zu verirren. Die Luft dieses frühen Herbstabends war erfrischend kühl. Durch das Jahreszeit bedingt kahle Unterholz zogen sich dichte Nebelschwaden und der Boden war bedeckt mit frischem Laub; ein Meer aus einem Gemisch von Braun, Rot und Orange. Leon saß auf der Rückbank des Wagens und blickte gedankenverloren aus dem Seitenfenster. Das ist also deine erste Mission, Kennedy ... Wer hätte gedacht, dass es direkt eine Such- bzw. Rettungsmission sein würde? Auf der Suche nach Spuren von Ashley Graham war er nun auf dem Weg in das Dorf, in dessen unmittelbarer Nähe sie oder doch nur ein Mädchen das ihr sehr stark ähnelt, angeblich gesichtet worden war. Leon fragte sich abermals – falls Ashley tatsächlich hier sein sollte – , warum sie gerade hier festgehalten wurde und was die Entführer mit ihr vor hatten. Und natürlich, wer sie entführt hatte und wer der Verräter sein mochte ... „Mann! Warum bekomme ich nur immer die Drecksarbeit?“, stöhnte der Fahrer des Autos mit spanischem Akzent, während er zu Leon nach hinten blickte. „Das ist eben unser Leben. Daran solltest du dich schon längst gewöhnt haben“, antwortete ihm sein Beifahrer, ebenfalls mit typisch spanischem Akzent. Zwei spanische Polizisten begleiteten Leon zum Dorf Pueblo und sollten ihn bei seiner Suche unterstützen. Vor rund vier Stunden war Leon mit seinem Flieger in der spanischen Hauptstadt Madrid angekommen – er hatte die Reise bereits nur ein paar Stunden nach der Besprechung im Washingtoner Hauptquartier angetreten. Als geheimer Agent reiste er mit ganz gewöhnlichen Passagiermaschinen. Er durfte eben keine Aufmerksamkeit auf dich ziehen. Ein Mann vom US-Geheimdienst hatte ihn am Flughafen in Madrid erwartet, ihn in sein Hotel begleitet und ihn mit allen nötigen Informationen sowie Ausrüstungsmaterialien versorgt. Schließlich war er zu der Polizeistation gebracht worden, die dem Zielort, dem Dorf, am nächsten lag – die Polizeistation, der das französische Paar auch ihre Beobachtung gemeldet hatte. So fuhr Leon jetzt seit ungefähr einer Stunde mit seinen beiden relativ wortkargen Begleitern irgendwo in einem abgelegenen Waldstück der Halbinsel herum. Der Beifahrer sah plötzlich zu Leon nach hinten. „Du ... Wer bist du wirklich? Na, sag schon.“ Die beiden wussten nicht viel von ihm, genauso wenig wie der Rest der normalen spanischen Polizei, was natürlich an der absoluten Geheimhaltungsverordnung seiner Mission lag. Doch zumindest wussten sie, dass er ein Agent und US-Amerikaner war. Der Rest, den er ihnen erzählt hatte, war auch gar nicht so falsch. Er hatte ihnen gesagt, dass er auf der Suche nach einer vermissten amerikanischen Collegestudentin sei und dass sie hier in der Gegend gesichtet worden sei – also kam die Geschichte der Wahrheit doch ziemlich nahe. Nur, dass diese Collegestudentin die Tochter des US-amerikanischen Präsidenten war, wussten sie nicht. „Du bist weit weg von der Heimat, Cowboy. Tut mir Leid für dich“, sagte der Beifahrer, nachdem er keine Antwort von Leon erhalten hatte. „Ist das etwa der lokale Weg hier, um ein Gespräch zu beginnen?“, fragte Leon ironisch. „Ihr wisst doch worum es geht. Ich bin hier, um dieses verschwundene Mädchen zu suchen.“ „... und das ganz alleine?“, fragte der Beifahrer mit ungläubigem Unterton. „Ja. Und ihr seit doch sicherlich nicht bei mir, damit wir gemütlich mit der Gitarre ums Lagerfeuer herum sitzen können. Oder vielleicht doch?“ „Hah“, warf ihm der Beifahrer entgegen. „Du durchgeknallter Ami. Wir haben natürlich, wie du weißt, Befehl dich bei deinem Alleingang zu unterstützen.“ „Na, also. Ich zähle auf euch, Jungs“, sagte Leon gespielt enthusiastisch und schlug dem Beifahrer dabei auf die Schulter. Die beiden Polizisten warfen sich einen etwas belustigten Blick zu. Leon lehnte sich nach vorne. „Wie weit ist es noch bis zum Dorf?“ „Nicht mehr weit. Nur Geduld“, antwortete der Fahrer. „Na, dann“, seufzte Leon mit hochgezogenen Augenbrauen und ließ sich wieder in seinen Sitz zurückfallen. „Hey, halt hier mal eben kurz an. Ich muss pinkeln“, drängte der Beifahrer seinen Kollegen. „Okay, aber beeile dich“, antwortete der Fahrer genervt. „Ja, ja.“ Der Beifahrer stieg aus und schlug die Wagentür zu. Der Wagen war ein Zivilfahrzeug, da man die ganze Aktion so unauffällig wie möglich halten wollte. Der Fahrer kramte in seiner Jackentasche herum und zog schließlich ein Päckchen Zigaretten heraus. Dann drehte er sich wortlos nach hinten und hielt Leon das Päckchen anbietend entgegen. Leon machte mit der Hand eine ablehnende Geste, denn er rauchte nicht, dann drehte sich der Fahrer wieder nach vorne und zog sich selber eine Zigarette heraus. Er zündete sie an, zog und atmete den Qualm anschließend genüsslich wieder aus. „Ihr Nichtraucher wisst gar nicht, was ihr verpasst“, sagte der Fahrer während er durch die Windschutzscheibe stierte. Leon schnaubte amüsiert durch die Nase. „Doch. Lungenkrebs und Herzinfarkte. Das verpasse ich nur all zu gerne.“ Der Fahrer lachte. „Wir alle müssen irgendwann einmal sterben. Und bis das soweit ist, will ich mein Leben in vollen Zügen genießen – buchstäblich“, sagte er und sah lächelnd in den Rückspiegel zu Leon nach hinten. „Ich will mein Leben jedenfalls nicht freiwillig verkürzen. Und ich genieße meine Lebenszeit auch ohne Zigaretten.“ „Ach, immer diese Gesundheitsprediger ...“ Die Wagentür schwang auf und der Beifahrer stieg wieder ein. „Tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich hatte enormen Druck. Es ist verdammt kalt draußen geworden ...“ „Ja, ja, erspare mir dein Gefasel, wir müssen weiter“, entgegnete ihm sein Kollege. „Schon gut, schon gut“, sagte der Beifahrer. „Fahren wir weiter.“ Nach einer Weile erreichten sie eine kleine Holzhängebrücke, die über einen scheinbar sehr tiefen Abgrund führte. Unmittelbar nachdem das Auto die Brücke holpernd passiert hatte, stoppte der Fahrer den Wagen. „Das Dorf liegt dort hinten, etwa dreihundert Meter“, erklärte der Fahrer und nickte dabei kurz nach links. „Folge einfach dem Weg.“ „Können wir mit dem Wagen nicht näher heran?“, fragte Leon. Der Fahrer seufzte. „Es ist nicht viel über diese Menschen dort bekannt, allerdings doch soviel, dass man weiß, dass sie sehr zurückgezogen und ohne Kontakt zur Außenwelt leben, und dass sie Fremden gegenüber sehr verschlossen und skeptisch sind. Ich halte es also für sinnvoller, wenn wir mit dem Wagen einen gewissen Abstand zum Dorf halten.“ Leon nickte leicht. „Gut. Dann werde ich mich einmal umsehen.“ „Wir bleiben am besten vorerst beim Auto. Wir wollen schließlich ... kein Knöllchen bekommen“, sagte der Beifahrer. „Richtig. Knöllchen“, bestätigte Leon ironisch. „Viel Glück“, warf ihm der Fahrer betont entgegen. Dann öffnete Leon die Wagentür auf seiner Seite und stieg aus. „Mein Gott, was sind das nur für Leute?“, fragte er sich selbst leise und seufzte, während er die Tür hinter sich wieder zuschlug. Der Fahrer kurbelte plötzlich das Fenster auf seiner Seite herunter. „Hast du etwas gesagt?“ „Wer? Ich? Nein“, sagte Leon und gestikulierte dabei übertrieben. „Na, dann“, sagte der Fahrer und lehnte seinen linken Arm auf den Fensterrahmen. Leon drehte sich um und schüttelte in Gedanken seinen Kopf über diese beiden Gestalten. Er war zwar früher selber mal ein Cop gewesen, aber solch eine feige Figur hatte er nicht abgegeben. Vor Leon erstreckte sich ein ausgetretener Pfad, umringt von kargen, alt aussehenden Bäumen, in deren kahlen Baumkronen ein paar Krähen saßen und mit ihren funkelnden Augen nach Aas spähten. Nach ein paar Metern konnte er bereits ein kleines einsames Häuschen ausmachen – nur etwa dreißig Meter von ihm entfernt. Hoffe, die Bewohner sind gastfreundlich ... Leon ging langsam auf das Häuschen zu ... da meldete sich plötzlich sein Funkgerät ... zum ersten mal auf dieser Mission. Er blieb stehen, nahm das Gerät von seinem Gürtel ab und drückte die Empfangstaste. Es war ein ausklappbares Funkgerät mit Bildübertragung. Leon konnte seinen Gesprächspartner auf einem kleinen Bildschirm sehen – und mittels einer kleinen integrierten Kamera, sein Gesprächspartner ihn ebenfalls. Das kleine Gerät war sogar wasserdicht. Die Mitarbeiter der Organisation wurden stets mit der modernsten Ausrüstung ausgestattet. Auf dem Bildschirm erschien eine Frau mir Brille. Leon schätzte sie auf gerade einmal Ende Zwanzig. Sie trug ein Headset und ihre braunen Haare waren streng nach hinten gebunden. „Leon. Ich hoffe, Sie können mich hören.“ Bei Funkübertragungen durften stets nur die Vornamen der Agenten im Einsatz genannt werden. „Ja, ich höre Sie laut und deutlich.“ „Ich bin Ingrid Hunnigan. Ich werde Sie bei Ihrer Mission per Funk unterstützten und Ihnen Hilfestellung leisten.“ Leon lächelte leicht. „Ich dachte, Sie seien älter.“ Seine Miene wurde jedoch sogleich wieder ernst. „Wenn sich ‚Blaue Rose‘ hier irgendwo befinden sollte, dann werde ich sie finden. Verlassen Sie sich darauf. Wer auch immer hinter dieser Entführung steckt, sie haben das falsche Mädchen entführt.“ „Wo befinden Sie sich zur Zeit“, fragte Hunnigan. „Ich bin gerade auf dem Weg in das Dorf.“ „Gut. Ich versuche in der Zwischenzeit mehr über dieses Dorf und seine Bewohner herauszufinden. Wenn es etwas Neues gibt, werde ich mich wieder bei Ihnen melden – oder melden Sie sich, wenn nötig. Seien Sie auf jeden Fall vorsichtig. Diese Menschen haben praktisch keinen Kontakt zur Außenwelt und wir wissen nicht, wie sie auf Sie reagieren werden.“ „Alles klar. Leon out.“ Er drückte das Gespräch weg und steckte das Funkgerät wieder an seinen Gürtel zurück. In jedem Fall ist mir diese Hunnigan als Kontaktperson lieber als dieser Wichser Tom Greenfield ... Vor der Abreise war ihm der Name seiner Kontaktperson für diese Mission bereits mitgeteilt worden, doch aus Zeitgründen hatte er sie nicht mehr persönlich kennen lernen können. Schade eigentlich ... So eine nette Frau, dachte Leon innerlich lächelnd. Er war sich nur zu sicher, dass Jefferson darauf bedacht gewesen war, Leon nicht Greenfield als Kontaktperson zuzuweisen. Denn auch er wusste von der gegenseitigen Abneigung zwischen Leon und Greenfield – abgesehen davon, war Greenfield sowieso mit dem Bereich des nahen Osten mehr als genug beschäftigt, wo er den dortigen Agenten als Kontaktperson zugewiesen war. Leon spazierte weiter in Richtung des kleinen Häuschens. Es war eine unheimliche Gegend. Der Wald wirkte gespenstisch und Leon würde sich nicht wundern, wenn die Leute dieser Gegend daran glaubten, dass es in ihm spuckte. Der dicht bewölkte Himmel verstärkte diese Wirkung geradezu noch. Irgendwie wirkte alles ... tot. Leon trug eine dicke warme Jacke, doch trotzdem war ihm ziemlich kalt. Er musste an die Worte des Polizisten denken ... es war wirklich kälter geworden. ... arschkalt ... Er erreichte schließlich eine kleine Holztreppe, die zur Veranda des schlichten Hauses führte, das so aussah, als hätte es bereits schon sehr viele Generationen beherbergt. Es passte perfekt in die bäuerliche Atmosphäre dieser Gegend und sah so aus, als wären die vergangenen Jahrzehnte spurlos an ihm vorbei gezogen. Die Eingangstür des Hauses stand sperrangelweit offen. Leon stieg die kleine Treppe hinauf und klopfte dennoch an. „Hallo? Ist hier jemand?“ Er erwartete nicht wirklich, dass die Leute dieser Gegend Englisch sprachen, deshalb wiederholte er seine Frage noch einmal auf Spanisch. Seine spanischen Sprachkenntnisse waren zwar nicht die allerbesten, doch für eine Verständigung mit der hiesigen Bevölkerung würden sie durchaus reichen. Es kam keine Antwort. Vorsichtig betrat Leon das Haus. Es war niemand zu sehen, zumindest nicht von da aus, wo er stand. Der Eingangsbereich erstreckte sich nur nach links und machte dort dann eine Biegung. Langsam ging er auf die Ecke zu ... und hörte schließlich ein raues Husten. Er ging weiter und bog schließlich um die Ecke. Am brennenden Kamin eines kleinen, einfach eingerichteten Wohnraumes stand, mit dem Rücken zu Leon gewandt, ein bäuerlich gekleideter, älterer Mann. Er schichtete ungestört Brennholz in den Kamin und schürte mit einer Eisenstange das lodernde Feuer, schien Leon weder gehört noch sonst irgendwie bemerkt zu haben. Leon ging vorsichtig auf ihn zu. „Ehm ... Entschuldigen Sie ... Sir?“ Leon sprach Englisch, ohne es selber zu merken. Der Mann drehte sich schließlich zu Leon um und beäugte ihn skeptisch von oben bis unten. „Die Tür stand offen und ich sah niemanden ...“ Leon zog ein Foto von Ashley Graham aus seiner Gesäßtasche und zeigte es ihm. „Haben Sie dieses Mädchen schon einmal zufälligerweise irgendwo gesehen?“ Leon glaubte nicht, dass der Mann sie schon einmal in den öffentlichen Medien gesehen hatte. Denn erstens war das Mädchen erst ein paar Mal in den Medien erschienen und zweitens glaubte Leon nicht, dass diese Menschen hier überhaupt Fernseher besaßen oder eine Tageszeitung erhielten – und zuletzt: Was sollten sich diese Menschen hier für Nachrichten aus den USA interessieren? Ihre Sorge galt wahrscheinlich vielmehr der Einbringung der Ernte und der Verpflegung ihres Viehes, als den Töchtern ausländischer Staatschefs ... Der Mann betrachtete das Foto kurz ... dann begann er Leon plötzlich auf Spanisch zu beschimpfen, machte abfällige Gesten und sah ihn wütend an. Er fragte, was er hier wolle und sagte, dass er von hier verschwinden solle; soviel konnte Leon verstehen. Jetzt erst fiel Leon ein, dass er den Mann eben auf Englisch angesprochen hatte und das womöglich der Grund für dessen Wutanfall sein mochte ... Na, super, Mr. Kennedy ... Zuerst dringst du einfach in ein fremdes Haus ein, stellst dich dem Hausbewohner selber noch nicht einmal vor und sprichst ihn dann noch in einer Sprache an, die er vermutlich nicht annähernd versteht ... und erwartest dann noch, dass er dir Auskunft gibt über ein Mädchen, das er wahrscheinlich noch nie in seinem Leben gesehen hat. Toller Beginn deines ersten Einsatzes ... Leon seufzte. Dann entschuldigte er sich bei dem Mann auf Spanisch und sagte ihm, dass er ihn nicht hatte stören wollen. Leon war gerade dabei, das Foto wieder zurück in seine Gesäßtasche zu stecken, da schlurfte der Mann in die Ecke neben dem Kamin, bückte sich und griff nach etwas ... mit dem er sich plötzlich auf Leon stürzte ... der den Angriff jedoch aus dem Augenwinkel sah und der Attacke mittels einer Rolle zur Seite gerade noch ausweichen konnte. Blitzschnell kam er wieder auf die Beine und zog seine Pistole aus dem Holster, den er am Oberschenkel seiner dunkelgrauen Hose trug und die zum besseren Zielen mit einem Laserpointer ausgestattet war. Missverständnis hin oder her ... Das war zu viel ... Leon richtete den roten Punkt des Pointers auf ihn ... und sah jetzt erst, was der Mann da eigentlich in seiner Hand hielt ... es war ein Beil. Leon schrie den Mann auf Spanisch an, dass er sofort stehen bleiben solle ... dass er sonst schießen würde ... doch der Mann hörte nicht, sondern näherte sich Leon langsam mit dem erhobenen Beil in seiner Hand, kam immer näher. Leon gab zunächst einen Warnschuss in eine der Holzwände ab ... ... doch der Mann ging unbeirrt weiter auf Leon zu. Schließlich war er zu nah ... Leon schoss ihm eine Kugel ins linke Bein. Der Mann schrie kurz auf, verlor das Beil aus der Hand und strauchelte nach hinten. Plötzlich ging er mit bloßen Händen auf Leon los! Leon versetzte ihm einen harten Tritt. Der Mann flog daraufhin regelrecht nach hinten und landete auf dem Rücken. Keuchend versuchte er wieder aufzustehen. Leon zielte auf die Brust des Mannes und schoss ihm gleich zwei Kugeln hinein. Mit einem kurzen erstickten Ächzen sackte er zusammen. Er war tot, doch irgendetwas hatte nicht mit ihm gestimmt. Ein normaler Mensch in diesem Alter hätte nach einem Schuss ins Bein aus dieser Waffe nicht die Kraft besessen, den Schützen unmittelbar danach noch mit solch einer Energie anzugreifen ... ... und was zur Hölle fuhr überhaupt in ihn? Warum griff er mich an? Doch Leon fand auf keine der Fragen eine plausible Antwort ... ... es sei denn, er wusste etwas über Ashley und wollte verhindern, dass ich hier in der Gegend Nachforschungen anstelle. Das spräche auf jeden Fall für ihre Anwesenheit irgendwo hier in der Nähe ... Doch er hatte jetzt gerade gar keine Zeit, weiter darüber nachzudenken, denn von draußen ertönten auf einmal laute Motorengeräusche. Leon lief zu einem der Fenster und spähte hinaus. Er sah einen alten Lkw, der in Richtung des Autos mit den beiden Polizisten fuhr ... und drei ebenfalls bäuerlich gekleidete Männer, die sich langsam dem Haus näherten in dem Leon sich befand. Einer von ihnen hielt eine Mistgabel in der Hand, der andere ein Beil und der Dritte eine Art Sichel. Scheiße ... Die wollen mich bestimmt nicht fragen, ob ich ihnen ein bisschen bei der Feldarbeit helfe ... Der Lkw beschleunigte ... Verdammt, was haben die vor?! Ein Gemisch aus lauten, aufgebrachten Männerstimmen ertönte, laute Rufe, Schreie ... dann krachte der Lkw mit voller Wucht in das Auto mit den beiden spanischen Cops. Leon konnte die Szene jedoch nur hören, da er von dort aus wo er sich befand, nicht bis zum Auto sehen konnte. Er hastete zum Hauseingang, doch die Tür war inzwischen geschlossen, was einer der Einheimischen draußen getan haben musste. Leon rüttelte am Türgriff, doch sie wurde scheinbar von der anderen Seite zugehalten. Er schlug mit einem Stuhl eines der Fester ein und sprang hinaus. Die drei Männer erwarteten ihn draußen bereits, hielten drohend ihre als Waffen missbrauchten Werkzeuge in die Luft. Leon richtete seine Waffe abwechselnd auf sie. Langsam kamen sie immer näher. Der Mann mit der Mistgabel stürzte sich zuerst auf ihn. Leon versetzte ihm einen Schuss in die Brust, der Mann fiel zu Boden. Nun stürzten sich die beiden anderen zusammen auf ihn. Leon schoss jedem von den beiden ebenfalls eine Kugel in die Brust ... doch anstatt umzufallen, torkelten die beiden lediglich etwas benommen umher, hielten sogar beide ihre Waffen noch in den Händen und setzten ihren Angriff schließlich weiter fort. Die beiden holten mit ihren Waffen aus, machten sich bereit, sie tief in Leons Fleisch zu rammen ... Leon sprang mittels eines Hechtsprungs gerade noch zur Seite, kam jedoch wieder blitzschnell auf die Beine und sah noch, wie seine beiden Angreifer dabei waren, ihre Angriffswerkzeuge wieder aus dem Boden herauszuziehen ... genau da, wo Leon noch vor drei Sekunden gestanden hatte ... Scheiße, das war verdammt knapp. Um ein Haar wäre ich Hackfleisch gewesen. Warum stehen die beiden überhaupt noch? Was ist nur los mit diesen Menschen? Die beiden Schüsse hätten sie locker erledigen müssen – den ersten von den dreien hat die Kugel ja auch erledigt, und kugelsichere Westen tragen die bestimmt nicht. Leon zielte auf den Kopf des Mannes mit der Sichel und schoss, woraufhin der Mann sofort erschlaffte, die Sichel fallen ließ und schließlich wie ein nasser Sack um fiel. Den Zweiten erledigte er ebenfalls auf diese Weise ... Urghh ... Mit einem gequälten Ächzen erhob sich plötzlich der Mann, den er von dem Trio zuerst erledigt hatte – oder von dem er zumindest glaubte, ihn erledigt zu haben ... Doch ehe der Mann wieder vollends auf seine Beine kam, hatte er bereits schon eine Kugel im Kopf, fiel wieder zu Boden. Und diesmal wirst du liegen bleiben! Leon war mehr als verwirrt. Tausend Fragen schossen ihm durch den Kopf, doch er beschloss, sich erst später mit ihnen auseinander zusetzen. Er lief mit erhobener Waffe zurück zu der Stelle, wo das Auto stand, erwartete keinen schönen Anblick ... ... und sah, als er die Stelle erreichte, nichts außer tief in die Erde gepresste Reifenspuren, zersplittertes Glas und ein paar zerstreut herumliegende Metallteile. Sein Blick schweifte nach rechts. Dort, wo sich noch vorhin die hölzerne Hängebrücke befunden hatte, klaffte nun ein Loch. Die Brücke hatte sich regelrecht in Luft aufgelöst. Nur an den beiden Brückenenden ragten noch ein paar Holzbretter und Seile heraus. Der Lkw musste den kleinen Pkw auf die kleine Brücke gerammt und dann, ab- oder unabsichtlich, mit sich in die gähnende Tiefe gerissen haben. Leon schritt auf den Abgrund zu und sah hinunter ... und erblickte das von ihm erwartete Bild. Auf den Felsen oberhalb eines reißenden Flusses sah er zunächst den demolierten Lkw, dann, unweit davon entfernt, das auf dem Dach liegende Auto. Beide Fahrzeuge lagen halb im Fluss und wurden von reißenden Wassermassen umspült. Scheiße ... Der oder die Fahrer des Lkws waren vor dem Zusammenprall vermutlich noch herausgesprungen. Leon hoffte, dass sich die beiden Cops ebenfalls noch irgendwie hatten retten können, doch er glaubte es nicht wirklich. Er trat weg von der Klippe und zog mit ernstem Gesicht sein Funkgerät hervor. Er drückte den Knopf, der ihn direkt mit Hunnigan verband. „Leon hier.“ „Höre Sie laut und deutlich. Gibt es etwas Neues?“ „Sogar so einiges. Ich bin in einem Haus dieser Gegend auf einen Einheimischen gestoßen, der mich, nachdem ich ihm ein Foto des Subjekts gezeigt hatte, mit einem Beil attackierte. Er lies mir keine andere Wahl, als ihn zu neutralisieren. Außerhalb des Hauses stürzten sich danach drei weitere Einheimische auf mich, ebenfalls mit Angriffswerkzeugen. Hab sie ebenfalls neutralisiert. Außerdem wurden meine beiden Begleiter samt ihrem Fahrzeug von ihnen ausgeschaltet, und die Brücke über einen Abgrund zerstört, über die wir hierher gelangt waren. Es handelt sich offenbar um eine ziemlich lange Schlucht, die das Gebiet in dem ich mich momentan befinde zum Teil regelrecht abzuschneiden scheint. Das heißt, zurück kann ich schon einmal nicht so einfach.“ „Oh, Gott“, sagte Hunnigan mit bewegter Stimme. „Aber Sie sind okay?“ „Ja, mir ist nichts passiert.“ Hunnigan nickte beruhigt, dann sprach sie mit gefasster Stimme weiter. „Die Reaktion dieses Einheimischen auf das Foto sowie die restlichen Attacken, erschweren natürlich den Verdacht über einen tatsächlichen Aufenthalt des Subjekts in dieser Gegend. Leon, gehen Sie einmal zunächst weiter in Richtung des Dorfes und sehen Sie sich dort um. Ich werde mir in der Zwischenzeit weiter das mir zur Verfügung stehende Kartenmaterial dieser Gegend ansehen, um Sie durch das dortige Gelände zu lotsen. Außerdem gebe ich Ihre Meldung sofort weiter.“ Leon schnaubte amüsiert durch die Nase. „Zurück kann ich sowieso schlecht.“ „Seien Sie vorsichtig“, sagte Hunnigan besorgt. „Bin ich. Ich melde mich, sobald es Neuigkeiten gibt. Leon out.“ Er steckte sein Funkgerät zurück und sah auf den einsamen Pfad rechts des Hauses, der ihn, laut der Aussage des Polizisten vorhin, direkt zum Dorf führen müsste. Bestätigt wurde diese Aussage jedoch noch durch einen sehr alt aussehenden Wegweiser, unweit von Leon entfernt, auf dem in bereits fast verblichener, unleserlicher schwarzer Schrift der Name PUEBLO stand. Dann wollen wir uns dieses Dorf doch einmal genauer ansehen ... Leon überprüfte sein Magazin. Er hatte die Anzahl der verschossenen Patronen nicht im Kopf. Er stellte fest, dass das Zehn-Schuss-Magazin komplett leer war, doch er besaß noch zwei weitere Ersatzmagazine, ebenfalls mit je zehn Schuss. Er steckte das leere Magazin in die Innenseite seiner Jackentasche und steckte stattdessen eines der vollen Ersatzmagazine in den Griff seiner Waffe. Immer noch verwirrt, doch auf alles gefasst, machte er sich schließlich auf den Weg zum Dorf.
  • hier das komplette kapitel 3: ( hatte einen teil daraus bereits ganz oben gepostet, also nich wundern :D ) Kapitel 3 Der Pfad hatte ihn tiefer in das Waldgebiet hineingeführt, auch vorbei an ein paar Holzschuppen und über eine schmale Holzbrücke. Beinahe wäre er auf seinem Weg in ein aufgestelltes Tellereisen getreten, diese furchtbaren, gezahnten Schnappfallen, zur Tötung von wilden Tieren. Nun stand er vor einem Metalltor. Auf weitere Einheimische war er auf dem Weg hierhin glücklicherweise nicht gestoßen, doch dafür auf ein mit menschlichen Totenschädeln geschmücktes Holzgestell, das am Rand des Pfades aufgestellt war und das wie eine Warnung für Menschen von außerhalb wirkte. Wo war er hier nur gelandet? In das Tor vor ihm war ein merkwürdiges, symmetrisches, astartiges Symbol eingraviert. Leon ging in seinem Kopf alle Symbole durch, die er in seinem bisherigen Leben vor Augen bekommen hatte: Weltreligionen, Sekten, Organisationen, Vereine, Clubs ... Doch ihm fiel kein Symbol ein, das diesem hier auch nur ähnelte. Mal sehen, ob das Tor offen ist ... Wenn es geschlossen sein sollte, würde Leon einfach über die Felshügel steigen, zwischen denen sich das Tor befand. Doch es ließ sich öffnen. Hinter dem Tor verlief der Pfad weiter. Leon folgte ihm. Doch bereits nach ein paar Metern, dort wo der Pfad eine kleine Biegung machte, konnte er sehen, dass er das Dorf erreicht hatte. Es schien recht klein zu sein. Leon war etwa zwanzig Meter vom Dorfrand entfernt, jedoch schon nah genug um sehen zu können, dass die Einwohner scheinbar friedlich ihrer alltäglichen Dorfarbeit nachgingen. Noch hatten sie Leon allerdings nicht gesehen und wussten wahrscheinlich weder etwas von ihm, noch davon, dass er ein paar ihrer Leute erledigt hatte – insofern diese überhaupt zum Dorf gehört hatten. Wie vorhin bei den Männern, die ihn attackiert hatten, fiel ihm wieder auf, dass die Menschen hier Kleidung trugen, wie er es eigentlich nur aus Geschichtsbüchern kannte. Die Frauen trugen Bauernröcke und Kopftücher, die Männer Westen, Hemden und Bauernhosen; Kleidung, von der Leon dachte, dass man sie schon seit ungefähr einem halben Jahrhundert nicht mehr trägt ... Leon nahm vorsichtshalber erst einmal hinter einem dicken Baum Deckung. Auf dem Dorfplatz brannte ein großes Feuer. Dicke schwarze Rauchwolken stiegen in den Himmel empor und irgendetwas hing an einem Pfahl in der Mitte der lodernden Flammen. Irgendetwas, das so aussah ... so aussah, wie ein menschlicher Körper! Leon zog das Fernglas, mit dem er ebenfalls ausgestattet worden war, aus seiner Gürteltasche heraus, um sich genauer das anzusehen, was sich dort in der Feuerstelle befand. Das Fernglas war ein genauso kleines wie handliches Hightech-Gerät, mit dem man zoomen konnte und das über viele verschiedene Einstellungen verfügte. Leon zoomte an die Feuerstelle heran ... und was er dann sah, ließ ihn seine Kehle zusammenschnüren. An einem Holzpfahl hing tatsächlich der auf einen großen Metallhaken aufgespießte Körper eines Menschen ... eines spanischen Polizisten, wie Leon noch gerade so an den noch nicht ganz verkohlten Uniformresten der Leiche erkennen konnte. Das Gesicht war bereits so stark verbrannt, dass es ihm unmöglich war sagen zu können, ob es sich bei dem Toten um einen von seinen beiden Begleitern handelte – doch er war sich nur zu sicher. Wahrscheinlich hat es keiner von ihnen vorhin geschafft zu entkommen, dachte Leon düster. Leon steckte das Fernglas wieder zurück in seine Tasche und stieg den kleinen Erdhügel links des Pfades empor. Mit der Neunmillimeter in seiner Hand pirschte er sich geduckt zum Rand des Dorfes, verborgen hinter hohem Gras und Sträuchern. Er verließ das kahle Dickicht schließlich, als er den Rand des Dorfes erreicht hatte. Versteckt hinter Holzzäunen und Hauswänden schlich er am Dorfrand entlang. Leon wollte sich einen Überblick über die Größe des Dorfes verschaffen und nach eventuellen Spuren von Ashley suchen – und auch nach vielleicht anderen gefangen gehaltenen Zivilpersonen ... oder Polizisten. Wer wusste schon, was diese Dörfler hier alles schon auf dem Kerbholz hatten ... Das Dorf schien nicht allzu groß zu sein und die Bauweise der Behausungen und Ställe war sehr einfach, fast schon primitiv. Holz- und Steinhütten, diese teilweise jedoch in einem fast heruntergekommen Zustand, prägten das Bild des Dorfes. Leon schlich schließlich zu einer Hütte, die ihm am nächsten lag. Vorsichtig achtete er darauf, dass ihn keiner sehen konnte. Ein paar Kisten und ein Holzzaun boten ihm dabei Deckung. Geduckt näherte er sich einem Fenster der Hütte, spähte vorsichtig hindurch ... und sah niemanden. Dann schlich er zur Tür. Sie ließ sich öffnen. Langsam zog er sie auf und lugte vorsichtig ins Innere. Achtsam trat er ein, zog die einfache Tür leise wieder hinter sich zu. Das Innere der Hütte war der Inbegriff von Schlichtheit. Leon hatte wirklich das Gefühl, sich einhundert Jahre zurück in der Vergangenheit zu befinden: ein einfacher Holztisch mit ein paar Stühlen, ein simples Regal, ein paar Kisten und Holzfässer ... und ein merkwürdiges Bild eines grimmig schauenden Mannes mit einer Kapuze, das an einer der untapezierten, kahlen Wände hing. Leon ging auf das Bild zu, betrachtete es genau ... und kam schnell zu dem Schluss, dass, egal wer dies auch sein mochte, er ihm nie begegnen wollte ... ... „Un Forastero!“, schrie plötzlich jemand, eine Frau. Leon sah aufgeschreckt nach rechts, in Richtung des Geschreis. Es hieß übersetzt: Ein Fremder. Es kam von draußen, und durch ein Fenster konnte er auch direkt sehen, wer dies gerufen hatte. Eine bäuerlich gekleidete Frau zeigte mit dem Finger auf ihn, während sie zur Seite schaute und weiter irgendetwas auf Spanisch schrie. Doch wie sie aussah ... Ihre weiße Schürze war verklebt mit einer getrockneten dunkelroten Flüssigkeit ... es sah aus wie Blut ... ihr Gesicht war kreideweiß ... und überhaupt ... irgendetwas stimmte nicht mit ihr – genau wie mit den Männern, die ihn vorhin angegriffen hatten ... Leon verstand nicht alles von dem, was sie schrie, doch soviel, dass er wusste, dass es nichts positives für ihn verhieß. Sie musste ihn durch das Fenster gesehen haben und rief nun vermutlich nach ihren Dorfgenossen. Leon lief zum Fenster, wollte hinausspringen, an der Frau vorbei rennen und sich dann irgendwo im Wald verstecken ... doch als er das Fenster erreichte sah er, dass sich davor bereits vier oder fünf weitere Dorfbewohner versammelt hatten. Ein paar von ihnen hatten spitze Werkzeuge in den Händen, die sie – wie die Männer vorhin – drohend in die Luft hielten. Da raus springen wäre Selbstmord! Leon lief zurück zur Tür, riss sie auf und lief hinaus. Er sah nach rechts, in Richtung Wald, doch dort versperrten ihm bereits vier weitere Dörfler den Weg. Er rannte nun nach links, in die Mitte des Dorfes, wo noch immer der verheerte Körper eines Polizisten in den lodernden Flammen hing. Leon hielt kurz inne, sein Verstand raste ... genau wie sein Herz. Er sah in alle Richtungen ... doch die Dorfbewohner schienen ihn umzingelt zu haben. Sie kamen von vorne, von hinten, von rechts, von links ... bewaffnet mit Beilen, Mistgabeln und Messern. Das ganze Dorf schien wegen ihm mobilisiert worden zu sein. Wo konnte er hin?! Plötzlich sah er links von sich, nur ein paar Meter entfernt, ein offen stehendes Häuschen ... und niemanden, der sich davor befand. Leon rannte in das Haus, schlug die Tür hinter sich zu. Es schien verlassen zu sein. „Verdammt ... Was ist los mit diesen Menschen?“, fragte er sich panisch. Verschanzen ... Ich muss mich hier verschanzen, schoss Leon als einziger Gedanke im Augenblick durch den Kopf. Schnell versperrte er die Tür mittels eines Holzbalkens, den man in zwei dafür vorgesehene Metallhaken an der Tür stecken konnte. Er schob noch zusätzlich eine Kommode vor die Tür, rannte dann zu einem Holzschrank und schob diesen vor ein glücklicherweise bereits mit Brettern vernageltes, glasloses Fenster. Wird nicht allzu lange halten, aber dürfte sie vorerst aufhalten, bis mir etwas eingefallen ist, wie ich hier wegkomme ... Draußen polterten sie bereist gegen die aus Holz bestehende Tür ... und auch gegen das verbarrikadierte Fenster. Aufgebrachte Rufe auf Spanisch ertönten aus allen Richtungen. Männliche wie weibliche. Leon spähte durch eine kleine offene Scharte in der Wand auf den Bereich vor dem Haus und konnte sehen, dass sich inzwischen mindestens zehn dieser verrückt gewordenen Dörfler vor seinem Unterschlupf befanden, versuchten, zu ihm ins Innere zu gelangen ... ... plötzlich dröhnte etwas auf. Ein unverkennbares Geräusch ... „Großartig. Ne Kettensäge ...“ Leon konnte den Träger dieses Werkzeugs auch sogleich durch die Öffnung ausmachen. Der Anblick ließ ihn einmal tief schlucken. Es war ein Mann, über den Kopf hatte er einen Jutesack mit zwei hinein geschnittenen Sichtlöchern gestülpt. In der Hand hielt er die rostige, dröhnende Kettensäge, stapfte zielstrebig in Richtung Haus. Klirrr! Leon erschrak, drehte sich um und sah in den ersten Stock hinauf. Es hatte sich so angehört, als wäre oben ein Fenster zerdeppert worden. Leon rannte die Treppe in den ersten Stock hinauf. Verdammt, wo bin ich hier nur hineingeraten? Er sah zwei Fenster, eines davon war zerbrochen ... und er sah das Ende einer Holzleiter, die an dem zerstörten Fenster aufgestellt worden war. Leon lief darauf zu. Ohne zu zögern packte er die beiden Enden der Leiter und warf sie nach hinten, und entnahm einem nahen Schrei, dass sich gerade jemand auf ihr befunden haben musste. Sofort drehte er sich wieder um ... und hielt inne, als er vor sich an der Wand ein an einer Halterung befestigtes Schrotgewehr mit einem Umhängegurt sah, das er eben übersehen hatte, als er die Treppe hochgehetzt war. Er nahm das Gewehr von der Wand und unterzog es einer kurzen Kontrolle. Es war leer, doch schien funktionsfähig. Das Poltern unten wurde immer lauter. Sie schienen nun zu versuchen, die Tür mit Beilen einzuschlagen. Leons Blick fiel auf einen Schrank, der neben der Gewehrhalterung stand. Strike! Hinter einer in den Schrank eingelassenen Glasscheibe, entdeckte er zwei offene Schachteln mit Schrotpatronen. Mit dem Griff seiner Pistole schlug er die Scheibe ein und packte sich die beiden Schachteln. Ein schneller Blick verriet ihm, dass sie das passende Kaliber hatten. Er steckte die beiden Schachteln in seine Jackentaschen und nahm ein paar Patronen heraus, um das Gewehr mit ihnen zu laden. Krach! Das Geräusch kam von unten. Sie waren drin. Leon hetzte mit dem geladenen Gewehr wieder die Treppe herunter, machte sich bereit, seine Besucher angemessen zu empfangen. Unten angekommen sah er, wie die Dörfler über die zertrümmerten Reste der Tür und der Kommode ins Haus stiegen. Auch die Bretter und den Schrank vorm Fenster hatten sie inzwischen beseitigt und drangen nun durch das entstandene Loch. Leon stand am unteren Treppenende und wich mit dem Schrotgewehr im Anschlag wieder langsam nach oben, ließ sie kommen, wartete, bis er genug von ihnen vor dem Lauf des Gewehrs hatte, um ihnen eine Ladung Schrot zu verpassen. Die wilde Meute stürmte schließlich auf Leon zu, der mittlerweile wieder bis auf die Mitte der kleinen Treppe zurückgewichen war. Mistgabeln, Beile, Messer und Sensen schwangen durch die Luft. Schließlich befanden sich vier von ihnen am unteren Treppenende, bereit, Leon zu zerfleischen ... Bamm!!! Der gewaltige Schuss aus dem Gewehr zerfetzte den Haufen. Blut und Fleischstücke spritzten umher und sprenkelten die Wand und den Boden. Die Körper flogen nach hinten und landeten auf dem Holzboden. Doch die nächste Welle rückte bereits unbeirrt heran, schien von der Szene soeben überhaupt nicht beeindruckt. Sie stiegen über die leblosen Körper ihrer Dorfgenossen hinweg und liefen geifernd auf Leon zu. Der nächste Schuss krachte in eine neue Wand aus Körpern, die die Durchschlagskraft der Waffe blutig zu Boden schleuderte. Klirrr! Leons Blick fuhr nach rechts. Er konnte bereits von dort aus wo er stand sehen, dass sie nun auch das zweite Fenster oben zerstört hatten. Ein Mann und eine Frau standen am Rahmen des Fensters, das dort auf ein Flachdach führte, und sahen ihn aus hasserfüllten Augen an. Beinahe so, als wären sie besessen von irgendetwas ... Uhh ... Ahh ... Ehh ... Leon sah wieder vor sich ... Was?! Auf dem Boden unten vor der Treppe erhoben sich drei oder vier der niedergestreckten Körper wieder langsam, griffen bereits schon wieder nach ihren Werkzeugen ... So etwas überlebt kein Mensch! Nicht aus so einer Waffe! Und nicht aus so einer geringen Entfernung! Jedenfalls ist keiner danach noch in der Lage, jemanden anzugreifen ... Leon setzte, noch immer überrascht, das Gewehr auf die sich ächzend und stöhnend langsam wieder erhebenden, blutigen Körper an. Bamm!!! Bamm!!! Gleich zwei Schüsse hintereinander versetzte er ihnen. Erneut spritzten Blut und Fleischbrocken. Dann erschlafften die blutbesudelten Körper mit einem – hoffentlich – letzten Aufstöhnen. Doch tot oder nicht, die nächsten Angreifer näherten sich bereits schon, kamen durch den Hauseingang und durch das offene Fenster. Leon drehte sich um, sah, wie der Mann und die Frau am Fenster bereits dabei waren, über den Fensterrahmen ins Haus zu steigen. Die wollen mich hier in die Enge treiben ... Leon lief zum Fenster und schoss den beiden eine Portion Schrot entgegen. Der Mann und die Frau flogen daraufhin nach hinten. Leon drehte sich um und musste sehen, wie bereits die nächsten Dörfler die Treppe hinauf gestürmt kamen. Sein Blick fiel nach links. Auch die Leiter am Fenster hatten sie wieder aufgestellt. Leon sah sogar bereits den Kopf eines sie hoch kletternden Dorfbewohners. Leon hüpfte aus dem Fenster vor ihm, hinaus auf das Flachdach. Vor sich sah er eine ans Dach angelehnte Leiter ... und zwei Männer, die sie gerade erklommen. Er lief auf die Leiter zu und stieß sie mittels eines kräftigen Tritts um. Ahhh!, schrien die beiden Männer auf der Leiter im Chor und landeten unsanft auf dem Erdboden. Hinter Leon wurden die Rufe immer lauter. Als er sich umdrehte, sah er durch das Fenster, dass das Stockwerk in dem er sich noch soeben befunden hatte, nunmehr mit unzähligen mordlüsternden Dorfbewohnern gefüllt war. Er lief auf die rechte Seite des Daches, die Seite, auf der der Wald lag, wollte hinunter springen ... ... und stoppte sein Vorhaben noch rechtzeitig, als er an der Kante das Daches angelangte und auf acht oder neun Männer herunter sah, die ihm, als sie ihn erblickten, ihre Werkzeuge entgegen warfen. Sensen und Beile flogen durch die Luft. Leon wich ihnen nur knapp aus, stürmte nun auf die andere Seite des Daches, blickte hinunter ... ... und sah unten niemanden stehen. Er sprang herunter. Sogleich kamen jedoch wieder aus scheinbar allen Richtungen wutentbrannte, Mistgabeln, Beile und Sensen schwingende Dorfbewohner ... ... und aus einem Schatten, links von ihm, dröhnte eine Kettensäge auf, begleitet von einem wahnsinnigen Schrei. Scheiße! Der Mann trat aus den Schatten heraus, fixierte Leon durch die Löcher in dem Sack, den er auf dem Kopf trug, aus zwei aufgerissenen, von Wahnsinn erfüllten Augen. Unaufhaltsam stapfte er mit der lauten Kettensäge auf ihn zu, wollte nicht mehr, als sie ihm in sein Fleisch rammen. Arhhhhhh! Noch einmal ließ der Mann einen verrückten, nach Blut dürstenden Schrei von sich, während er sich Leon weiter näherte. Leon richtete das Gewehr auf seinen Kopf. Seine Hände waren schweißnass. Doch er zielte genau. Er wusste, dies war sein letzter Schuss, denn das Gewehr fasste nur sechs Patronen. Nachladen würde ihn zu viel Zeit kosten. Bis dahin würde er schon etliche Messer und Beile in seinem Körper stecken haben – und die Kettensäge. Bamm!!! Der nur aus geringer Distanz abgefeuerte Schuss zerfetzte den Kopf des Kettensägen-Mannes in einer Explosion aus Blut, Gehirnstücken, Schädelsplittern und Sackfetzen. Die röhrende Kettensäge immer noch in seinen verkrampften Händen haltend, fiel er vorn über ... und auf die Säge, die sich nun reißend in sein eigenes Fleisch bohrte. Eine grausame Szene ... Leon hing sich das Gewehr um, packte sich wieder seine Pistole, die er vorhin in sein Holster gesteckt hatte, und drehte sich abwechselnd in alle Richtungen, suchte nach einer freien Stelle in der ihn umgebenden Wand aus Gegnern, durch die er flüchten konnte. Doch sie drangen aus allen Richtungen auf ihn zu, hatten ihn quasi umstellt. Er entdeckte schließlich eine Stelle, wo nur zwei der Dorfbewohner, zwei mit Beilen ausgerüstete Männer, standen. Er hatte nur diese Chance. Dies war die einzige Stelle, die nur zwei von ihnen blockierten. An allen anderen Stellen waren es mindestens vier oder fünf von ihnen. Würde er hier stehen bleiben, würden sie binnen kürzester Zeit Hackfleisch aus ihm gemacht haben. Alles oder Nichts! Leon rannte auf die beiden zu, feuerte währenddessen eine Kugel nach der anderen durch den Lauf seiner Waffe. Die beiden Männer vor ihm sackten von Kugeln durchsiebt bereits zusammen, bevor Leon die Stelle überhaupt erreicht hatte, wo sie standen. Oh, Gott ... Als Leon die Stelle dann erreichte, musste er sogleich sehen, dass unweit der beiden auf dem Boden liegenden Männer, sechs weitere Dörfler lauerten, verborgen hinter einer Holzscheune. „Ahi esta!“, schrie eine Frau, als sie Leon sah, was schlicht hieß: Da ist er! Er war nun wirklich völlig umzingelt ... Leon feuerte auf die fanatische Horde, feuerte wie ein Verrückter. Blut spritzte, raue Schmerzensschreie erklangen, doch richteten die Schüsse weitaus weniger an, als Leon es eigentlich erwartete. Die Schüsse waren präzise, doch nach einem Treffer in den Bauch oder die Brust – eigentlich tödliche Treffer – setzten sie ihren Angriff teilweise unbeeinträchtigt einfach weiter fort, so, als wäre nichts gewesen. Erst nach mindestens drei oder vier Treffern waren sie erledigt ... oder nach einem gezielten Kopfschuss – manchmal bedurfte es jedoch auch zwei Kopfschüsse um sie auszuschalten ... Doch Kopfschüsse erledigen selbst diese Freaks hier schnell. Sollte mich also nur darauf beschränken ... Leon hatte ein Magazin bereits leer gefeuert, dann schnell nachgeladen, war nun also bei seinem zweiten und letzten Ersatzmagazin. Es wurde brenzlig ... Von hinten hörte Leon, wie sich die Dörfler ihm immer dichter näherten, wie sie den Kreis um ihn enger zogen. Verdammt ... Ich werde hier sterben ... Mindestens zwanzig Dorfbewohner hatten ihn nun umstellt, bereiteten sich scheinbar freudig darauf vor, ihn zu töten. Plötzlich, wie ein Signal des Himmels, das Leon bedeuten sollte, dass sein Leben nun zu Ende war, läutete irgendwo eine scheinbar nicht allzu weit entfernte Glocke. Doch anstatt sich auf Leon zu stürzen, hielt die Meute plötzlich inne, ließ ihre Werkzeuge fallen und starrte wie gebannt in Richtung des monotonen Klangs. Wie, als hätte sie das Geläut der Glocke hypnotisiert. Leon blieb wie angewurzelt stehen und betrachtete überrascht das Geschehen. Was geht jetzt ab? Langsam und immer noch wie hypnotisiert, schritten die eben noch so wutentbrannten Dorfbewohner langsam in Richtung Dorfmitte, flüsterten dabei irgendetwas, spazierten einfach an Leon vorbei, der immer noch ruhig da stand und ihnen aufmerksam hinterher sah. Schließlich waren alle aus seinem Blickfeld verschwunden, doch er wartete noch etwas, bevor er sich wieder bewegen würde. Er wollte kein Risiko eingehen. Gut, das dürfte lang genug gewesen sein ... Leon bewegte sich langsam in Richtung Dorfmitte, sah sich dabei achtsam um, suchte nach den Einwohnern, doch er sah niemanden mehr. Er erreichte schließlich den scheinbar genau in der Mitte von Pueblo gelegenen Dorfplatz – sah noch, wie weiter vor ihm eine Metalltür zuschlug. Leon sah sich um, blickte in alle Richtungen, doch das Dorf schien wie ausgestorben. Nur ein paar umher laufende Hühner und eine Stroh fressende Kuh leisteten ihm noch Gesellschaft. „Wo sind die alle hin?“, fragte er sich selbst. Verwundert hob er seine Arme, ließ sie wieder fallen. „Bingo?“ Leon sah in der Ferne plötzlich die Nebel verschleierten Umrisse einer Kirche. Sie musste geläutet haben. Er begann schließlich, die nun offenbar leeren Gebäude in seinem Umkreis zu durchsuchen, doch er fand in den einfachen und rein zweckmäßigen Behausungen und Ställen weder eine Spur von Ashley, noch von sonst irgendwelchen eventuell gefangen gehaltenen Menschen. Doch zwei Dinge waren ihm bei der Durchsuchung des Dorfes aufgefallen. Zum einen hing das Bild des Mannes mit der Kapuze in jedem der Häuser, fast so, als wäre er eine Art Führer oder Gottheit. Des weiteren entdeckte er an der, wie er herausgefunden hatte, nunmehr verschlossenen Metalltür, die er vorhin hatte zufallen sehen, das gleiche Symbol, wie vorhin an dem Metalltor, welches ihn zum Dorf geführt hatte. Leon, immer noch verwirrt ob der plötzlichen Verlassenheit des Dorfes, nahm sein Funkgerät in die Hand und verband sich mit Hunnigan. „Ich bin es, Leon.“ „Ja. Alles okay bei Ihnen?“ „Naja, abgesehen davon, dass mich ein ganzes Dorf gejagt und beinahe umgebracht hätte, schon.“ „Was?!“, fragte Hunnigan erschreckt. „Ja, ich stieß auf das Dorf und als ich entdeckt wurde, begannen sämtliche Bewohner eine regelrechte Treibjagd auf mich. Irgendwie ... schien das Läuten einer Glocke sie dann in eine Art Trance versetzt zu haben. Sie stoppten plötzlich ihren Angriff und verschwanden schließlich irgendwohin. Das war meine Rettung. Doch diese Menschen ... Irgendetwas stimmt mit ihnen nicht. Es braucht drei, vier Pistolenschüsse, um sie zu neutralisieren. Das sind keine normalen Menschen. Und überhaupt ... Irgendwas ist hier gehörig faul – und ich meine damit noch nicht mal die Tatsache, dass sie mich gerade mit Mistgabeln und Messern zerfleischen wollten.“ „Oh, mein Gott ... Konnten Sie irgendeine Spur von ‚Blaue Rose‘ finden?“ „Nein, aber ich bin mir nur allzu sicher, dass dieses „unfreundliche“ Verhalten mir gegenüber, irgendetwas mit meiner Suche nach ihr zu tun hat. Mit der Reaktion auf das Foto fing es ja an. Und ich bin mir absolut sicher, dass diese Leute zumindest etwas über sie wissen, wenn sie nicht sogar selber mit den Entführern gemeinsame Sache machen – aus welchen Gründen auch immer ...“ Leons Blick schweifte beim Reden über die Häuser des Dorfes und landete schließlich auch auf der verschlossen Metalltür mit dem Symbol ... „... hier ist irgendein seltsames Symbol, das ich weder zuordnen kann noch jemals zuvor irgendwo gesehen habe. Hab es hier auf einem Tor und an einer Tür entdeckt. Keine Ahnung, was es zu bedeuten hat.“ „Ein seltsames Symbol ...? Leon, können Sie ein Foto davon machen und es mir senden?“ „Klar. Einen Moment.“ Leon zog eine kleine, handliche Kamera von der Größe eines Handys aus einer seiner Gürteltaschen heraus. Dann ging er auf die Metalltür zu, richtete die Kamera auf die Mitte der Tür, auf das Symbol, und drückte den Auslöseknopf. „Okay, hab eins. Ich schicke es jetzt an Ihren Bilddatenempfänger.“ Leon versendete das Foto an Hunnigan, die Fotos von dieser Kamera per Satellit direkt auf einem speziellen Gerät empfangen konnte. „Danke. Meine Nachforschungen bezüglich dieser Gegend und ihrer Bewohner laufen noch. Ich werde aber auch bezüglich dieses Symbols genaue Nachforschungen anstellen. Wenn ich etwas Neues herausgefunden habe, werde ich es Ihnen sofort mitteilen. Ich denke auch, dass diese Menschen dort irgendwie in einem Zusammenhang mit dem Fall stehen. Leon, laut dem Kartenmaterial, das mir zur Verfügung steht, erstreckt sich außerhalb des Dorfes noch ein Bauernhof, ein paar Scheunen und Häuser sowie noch andere Gebäude. Und zwar hauptsächlich nördlich des Dorfes. Vielleicht finden Sie dort irgendwelche Spuren. Ich werde das alles ebenfalls an Mr. Jefferson weitergeben.“ „Gut. Ich werde mich dort mal umsehen.“ „Viel Glück und passen Sie auf sich auf, Leon.“ „Danke. Ja. Leon out.“ Hunnigan saß, wie alle Kontaktleute der Agenten im In- und Ausland, im Washingtoner Hauptquartier der Organisation und hielt von dort aus Kontakt zu Leon. Alles was er ihr berichtete, erfuhr durch sie schließlich Jefferson. So wusste er immer über die aktuelle Lage der Agenten Bescheid und konnte Anweisungen geben. Leons Blick schweifte noch einmal über das noch immer wie ausgestorben wirkende Dorf. Über Holzzäune, Hütten, Ställe ... und blieb schließlich auf der mittlerweile erloschenen Feuerstelle hängen. Der Körper, der in ihr hing, war nur noch eine schwarze Hülle, das Gesicht eine geschmolzene Maske des Todes ... Schon als er den ersten dieser Einheimischen begegnet war, doch nun, nach der Treibjagd durch das Dorf, noch sehr viel stärker, waren in ihm Erinnerungen an die Nacht damals in Raccoon City hochgekommen. An die mit dem T-Virus infizierten Einwohner der Stadt, die quasi als wandelnde Tote durch Raccoon gestreift waren, die keinen Schmerz mehr hatten spüren können, keine Erinnerung mehr an ihr Leben und die nur noch eines gewollt hatten: Frisches Fleisch fressen ... vor allem Menschenfleisch. Und für all das war kein geringerer als der internationale Pharmakonzern Umbrella verantwortlich gewesen. Das ganze lag nun schon sechs Jahre zurück, doch die Erinnerungen daran waren noch immer sehr präsent und klar in seinem Kopf – und er glaubte, dass sie es auch noch sehr lange sein würden. Auch jene Virusinfizierten, jene Zombies, damals in Raccoon, war weitaus schwerer körperlicher Schaden zuzufügen gewesen, als normalen Menschen. Doch trotz allem: Das hier war etwas vollkommen anderes ... und jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, um sich mit den noch immer nicht ganz verarbeiteten, furchtbaren Erlebnissen aus dieser Zeit geistig zu beschäftigen – es würde ihn nur von seiner Mission ablenken ... Er überprüfte, was er noch an Munition übrig hatte: Er zählte noch vier Schuss für die Pistole, was natürlich nicht viel war. Doch die Anzahl der verbliebenen Schrotpatronen stimmte Leon wieder wesentlich optimistischer. Achtzehn Patronen besaß er noch für das Gewehr. Er lud die Schrotwaffe wieder neu auf und ging in nördliche Richtung, hoffend, dass er dort irgendeine Spur von Ashley finden würde.
  • Gefällt mir. Sehr gut geschrieben muss ich sagen und du hältst dich wirklich sehr genau an den vierten Teil, das macht es noch etwas witziger die FF zu lesen X) Der Wiedererkennungsfaktor ist hier sehr schön hoch- gefällt mir!
  • Also der obere Ausschnitt und das erste Kapitel waren super! Ich finde es jedenfalls sehr ansprechen und du hast sehr viel Potenzial im FF schreiben, dass kann ich schonmal sagen :thumbs5: Ich werd mal seh'n ob ich noch später Zeit finde, die nächsten Kapitel zu lesen.